der Menschen mit bekanntem Diabetes mellitus in Deutschland sind von einer diabetischen Retinopathie betroffen.12 An einem DMÖ leiden 6% aller Diabetes-Typ-2-Betroffenen.11
Diabetisches Makulaödem (DMÖ): Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten
Die Diagnose „diabetisches Makulaödem", kurz DMÖ, kann verunsichern und viele Fragen aufwerfen. Wir begleiten Sie dabei, schnell zu verstehen, was ein DMÖ ist, welche Therapiemöglichkeiten es gibt und was als Nächstes für Sie wichtig ist. Sie müssen dabei nicht alles auf einmal erfassen – nehmen Sie sich einfach die Abschnitte vor, die für Sie gerade zählen.

Erschienen am 14.11.2023
Das Wichtigste zuerst
Ein diabetisches Makulaödem (DMÖ) ist eine Netzhauterkrankung, bei der infolge von Diabetes Flüssigkeit in die Makula – die Stelle des schärfsten Sehens – austritt und diese anschwellen lässt. Früh erkannt lässt sich ein DMÖ heute gut behandeln.
Die 3 wichtigsten Punkte:
- Ein DMÖ entsteht, wenn ein dauerhaft erhöhter Blutzucker die feinen Blutgefäße der Netzhaut undicht macht.1
- Erste Anzeichen sind verschwommenes oder verzerrtes Sehen und blasse Farben – oft spürbar erst, wenn die Erkrankung fortgeschritten ist.2
- Die wichtigste Behandlung ist die IVOM-Therapie (eine Medikamenten-Injektion ins Auge); regelmäßige Kontrollen durch Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt sind dabei entscheidend.3
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein DMÖ?
- Welche Ursachen hat ein DMÖ?
- Welche Symptome habe ich bei einem DMÖ?
- Wie verläuft ein DMÖ?
- Wie wird ein DMÖ festgestellt?
- Welche Behandlungsmöglichkeiten habe ich?
- Tipps für den Alltag mit DMÖ
- Gut vorbereitet ins Arztgespräch
- Selbstständig leben mit DMÖ
- Zusammenfassung
- Häufig gestellte Fragen
Was ist ein diabetisches Makulaödem (DMÖ)?
Ein DMÖ ist eine Augenerkrankung, die häufig als Folge eines Diabetes mellitus entsteht. Bei Diabetes schädigt ein dauerhaft zu hoher Blutzuckerspiegel die Wände der kleinen Blutgefäße in der Netzhaut – sie werden undicht.
So kommt es zum Ödem:
- Aus den geschädigten Gefäßen treten Flüssigkeit und Fettstoffe ins Gewebe aus.
- Die Makula – der Ort des schärfsten Sehens – schwillt an (Ödem).
- Die Sehzellen werden nicht mehr richtig mit Nährstoffen versorgt.
Betroffene sehen dann häufig verzerrt oder verschwommen.
Gut zu wissen: Wird ein DMÖ rechtzeitig erkannt, lässt es sich mit gutem Erfolg behandeln.2
Das Risiko für eine diabetische Netzhauterkrankung steigt mit einer schlechten Blutzucker-Einstellung, langer Diabetes-Dauer sowie erhöhten Blutfett- oder Blutdruckwerten.4,5 Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind deshalb wichtig, um ein DMÖ früh zu erkennen.
Diabetische Netzhauterkrankungen gelten als häufigste Ursache für Erblindung im Erwachsenenalter: In Deutschland verlieren dadurch jährlich etwa 6.000 Menschen mit Diabetes ihr Augenlicht. Auch bei sehr geringer Sehkraft bleibt die räumliche Orientierung (peripheres Sehen) aber oft erhalten. 2,6,7
Welche Ursachen hat ein DMÖ?
Ursache ist ein Ungleichgewicht körpereigener Botenstoffe. Im gesunden Auge steuern unter anderem VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) und Angiopoietin-2 (Ang-2) Wachstum und Stabilität der Blutgefäße. Bei einer Netzhauterkrankung werden sie in zu großer Menge gebildet – die Gefäße werden instabil und undicht, Flüssigkeit tritt ins Netzhautgewebe aus und lässt es anschwellen.11

In unserem Video erklärt Augenärztin Dr. Sader-Moritz anschaulich, wie sich ein diabetisches Makulaödem bilden kann.
21,7%
Welche Symptome habe ich beim DMÖ?
Viele Betroffene bemerken zunächst keine Beschwerden. Treten Sehveränderungen auf, ist häufig bereits die Makula betroffen.
Typische Symptome
- unscharfes oder verzerrtes Sehen,
- blass oder ausgewaschen wirkende Farben
- Bereiche mit Sehverlust (z. B. schwarze Punkte im Zentrum).
Wenn Sie selbst den Verdacht haben, dass Sie von einem DMÖ betroffen sein könnten, können Sie den Amsler-Gitter-Test selbstständig zuhause durchführen und das Ergebnis anschließend mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt besprechen.
Wie verläuft ein DMÖ?
Ein DMÖ verläuft anfangs meist ohne spürbare Symptome, kann aber ohne Behandlung fortschreiten. Abgestorbene Sehzellen lassen sich nach heutigem Stand nicht wiederherstellen – deshalb sind regelmäßige Kontrollen und eine frühzeitige Behandlung so wichtig, bevor bleibende Schäden entstehen.
- Frühstadium (nicht-proliferativ): mild, mäßig oder schwer. Die Netzhaut wird schlechter durchblutet; es können kleine Gefäßausbuchtungen, Blutungen oder Flüssigkeitsaustritte entstehen.13
- Fortgeschrittenes Stadium (proliferativ): Blut oder Flüssigkeit tritt aus krankhaften Gefäßen aus, die Netzhaut schwillt an, Zellen in der Makula können geschädigt werden. Es folgt ein zunehmender Sehkraftverlust bis hin zu Gesichtsfeldausfällen. Unbehandelt kann dies bis hin zu einer so starken Sehbeeinträchtigung führen, dass sie rechtlich als Blindheit gilt.13
Martin, 71, lebt mit Diabetes und nimmt regelmäßig an einer Vorsorgeuntersuchung bei seinem Augenarzt teil. Bei einem dieser Routine-Termine entdeckte der Augenarzt ein diabetisches Makulaödem in einem frühen Stadium. Wie Martin den Moment der Diagnose erlebt hat und was er sich in Bezug auf die Therapie wünscht, erzählt er hier im Video.
Wie wird ein DMÖ festgestellt?
Besteht der Verdacht auf ein DMÖ, führt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mehrere Augenuntersuchungen durch.
Die beiden wichtigsten:
- Optische Kohärenztomografie (OCT): schmerzfreies Abtasten der Netzhaut mit schwachem Laser.
- Fluoreszenzangiographie (FAG): macht selbst kleinste Gefäße in der Netzhaut sichtbar.
Liegt eine gesicherte Diagnose vor, besprechen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Ihre Therapieoptionen. Sie müssen sich nicht sofort festlegen – wichtig ist jedoch, nicht zu lange zu warten, damit die Flüssigkeit rasch reduziert wird.
Welche Behandlungsmöglichkeiten habe ich bei einem DMÖ?
Die wichtigste Behandlung ist die IVOM-Therapie. Hier werden Medikamente direkt ins Auge injiziert. In bestimmten Fällen kommt zusätzlich eine Operation infrage.
IVOM – intravitreale operative Medikamentenapplikation
Die Medikamente werden direkt ins Auge gespritzt, damit sie gezielt wirken können. Das Auge wird zuvor mit Augentropfen betäubt; die IVOM-Behandlung selbst dauert nur wenige Minuten und verläuft in der Regel schmerzfrei. Da ein rascher Therapiestart wichtig ist, sollten Sie sich mit dem ersten Termin nicht zu viel Zeit lassen. Ziel der Behandlung ist es, die Flüssigkeit möglichst weit zu reduzieren bzw. zu beseitigen und die Sehfunktion langfristig zu erhalten.
Um die Sehkraft zu erhalten, wird sie in regelmäßigen Abständen wiederholt, begleitet von engmaschigen Kontrollen. Wenn Sie konsequent in IVOM-Behandlung bleiben, haben Sie in der Regel gute Chancen, das Sehvermögen langfristig zu erhalten.
Längere Abstände zwischen den Anwendungen können es Ihnen erleichtern, die Behandlungsintervalle konsequent einzuhalten und so zum Behandlungserfolg beizutragen. Dies ist durch moderne Therapien möglich.
In unserem Video erklärt Dr. Sybille Kolitsch anschaulich die Unterschiede der verschiedenen IVOM-Therapien.
Sobald eine gesicherte Diagnose vorliegt, können Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, welche Therapieoptionen in Ihrem Fall bestehen. In diesem Gespräch müssen Sie sich noch nicht endgültig für eine Therapie entscheiden, sondern können sich erst noch mit Angehörigen oder im Freundeskreis beraten oder noch weitere Informationen einholen.
70%
Um 70% ist die Erblindungshäufigkeit durch AMD und diabetischer Netzhauterkrankungen seit Einführung der VEGF- Medikamente zurückgegangen.11
Wie sieht diese Behandlungsmethode konkret aus? DMÖ-Patient Martin, 71, hat sich für die regelmäßigen Injektionen entscheiden. Im Alltag kommt er damit gut zurecht und hat sich an die wiederkehrenden Termine bei seinem Augenarzt gewöhnt. Wie er die Betäubung im Auge, die Injektion und die Stunden nach der Behandlung empfindet, erzählt er hier im Video.
Operation
Operationen sind seit der Entwicklung von Medikamenten seltener geworden. Es gibt jedoch Fälle, beispielsweise bei größeren Einblutungen ins Auge, bei denen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine Operation empfehlen kann. Hier reicht eine Behandlung mit Medikamenten in der Regel nicht aus.15
Tipps für den Alltag mit DMÖ
- Kontrolltermine fest einplanen: Tragen Sie Untersuchungen und IVOM-Termine gleich in den Kalender ein oder nutzen Sie die Retinora App
- Blutzucker, Blutdruck und Blutfette im Blick behalten – eine gute Einstellung verlangsamt das Fortschreiten.
- Hilfsmittel nutzen – für Menschen mit Seheinschränkung gibt es viele Alltagshelfer; fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach der Kostenübernahme.
- Unterstützung annehmen – Patientenorganisationen und Beratungsstellen bieten Austausch mit anderen Betroffenen.
augenblicke - Das Telefon mit Herz
Gut vorbereitet ins Arztgespräch
Sie müssen nicht alles im Kopf behalten – mit diesen vier Schritten gehen Sie gut vorbereitet in Ihr nächstes Arztgespräch.
- Verstehen Sie Ihre Erkrankung – nur mit diesem Wissen treffen Sie gute Entscheidungen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
- Informieren Sie sich ergänzend zu DMÖ in dem Umfang, der für Sie passt. Der Informationsbedarf darf ganz individuell sein.
- Klären Sie die entscheidenden Punkte – was die Erkrankung für Ihren Alltag bedeutet, welche Medikamente es gibt, wie sie wirken und welche Nebenwirkungen möglich sind.
- Schreiben Sie Ihre Fragen auf – und nehmen Sie die Notizen mit ins nächste Gespräch, damit nichts untergeht.
Selbstständig leben mit DMÖ
Mit einem DMÖ lässt sich lange selbstständig leben. Alltagshelfer, Patientenorganisationen und Beratungsstellen unterstützen Sie dabei – und über augenblicke – das Telefon mit Herz bekommen Sie Hilfe bei praktischen Fragen, damit im Arztgespräch mehr Zeit für Medizinisches bleibt.
Zusammenfassung
Bei einem diabetischen Makulaödem (DMÖ) tritt Flüssigkeit aus den Netzhautgefäßen aus und lässt die Makula anschwellen. Betroffene sehen oft unscharf, nehmen Schlangenlinien wahr oder sehen dunkle Flecken statt Gesichtern. Unbehandelt kann ein DMÖ zur Erblindung führen. Die wichtigste Behandlung sind Medikamente, die per Injektion ins Auge gebracht werden (IVOM); Ziel ist es, die Flüssigkeit zu reduzieren und die Sehkraft möglichst lange zu erhalten.
Häufig gestellte Fragen

Ein DMÖ ist eine Flüssigkeitsansammlung in der Makula (Stelle des schärfsten Sehens), die als Folge von Diabetes mellitus entstehen kann. Ein erhöhter Blutzucker macht die Netzhautgefäße durchlässig, Flüssigkeit tritt aus, lagert sich ein und lässt die Makula anschwellen – das kann das Sehvermögen einschränken.1
Da ein DMÖ durch die chronische Erkrankung Diabetes mellitus entsteht, ist es nicht vollständig heilbar. Früh erkannt können Therapien den Verlauf aber verzögern und die Sehschärfe länger erhalten oder verbessern.13, 14
Die zentrale Sehschärfe lässt nach, Details sind schlechter erkennbar. Betroffene sehen verzerrt oder verschwommen, nehmen Farben und Kontraste oft nicht richtig wahr und haben zentrale Gesichtsfeldausfälle.2
Die Sehschärfe kann stark abnehmen. Auch wenn sie so gering ist, dass man gesetzlich als blind gilt, bleibt oft die räumliche Wahrnehmung erhalten.2,6
Je nach Lage des Ödems kommen drei Optionen infrage: IVOM mit VEGF-Hemmern, intravitreale Steroide oder eine Lasertherapie. Ist das Zentrum der Makula (Fovea) beteiligt und das Sehen beeinträchtigt, wird vor allem eine IVOM angewendet; dabei werden auch mögliche Nebenwirkungen berücksichtigt.3
1 Diabetisches Makulaödem DMÖ | info Medizin, zuletzt abgerufen am 15.07.2026.
2 pro-retina.de – Diabetisches Makulaödem (Fakten), zuletzt abgerufen am 15.07.2026.
3 augeninfo.de – Stellungnahme DMÖ 2019 (PDF), zuletzt abgerufen am 15.07.2026.
4 bundesaerztekammer.de – Diabetes/Augen (PDF), zuletzt abgerufen am 15.07.2026.
5 g-ba.de – OCT bei diabetischer Retinopathie (PDF), zuletzt abgerufen am 15.07.2026.
6 dbsv.org/iii-der-schwerbehindertenausweis.html, zuletzt abgerufen am 15.07.2026.
7 diabetes-deutschland.de/augen.html, zuletzt abgerufen am 15.07.2026.
8 ddg.info – IFdA-Broschüre 2021 (PDF), zuletzt abgerufen am 15.07.2026.
9 ddg.info – Gesundheitsbericht 2026 (PDF), zuletzt abgerufen am 15.07.2026.
10 ddg.info – Lemmen, DRP und Makulopathie, ZPA 7/8-2021 (PDF), zuletzt abgerufen am 15.07.2026.
11 pro-retina.de/forschung/therapie/ivom, zuletzt abgerufen am 15.07.2026.
12 amd-netz.de/behandlung-und-beobachtung, zuletzt abgerufen am 15.07.2026.
13 bosch-stiftung.de – „Mehr Gesundheit für eine Gesellschaft des langen Lebens" (PDF), zuletzt abgerufen am 15.07.2026.
14 dbsv.org/diabetische-netzhauterkrankungen.html, zuletzt abgerufen am 15.07.2026.
Inhaltlich geprüft: M-DE-00029010





