„Kann ich so überhaupt noch Auto fahren?“

Mit der Diagnose neovaskuläre altersabhängige Makuladegeneration (nAMD), diabetisches Makulaödem (DMÖ) oder retinaler Venenverschluss (RVV) geht manchmal auch ein Gefühl der Hilflosigkeit einher. Was, wenn ich meinen Alltag nicht mehr allein bewältigen kann? Autofahren ist für viele Menschen der Schlüssel zur eigenen Selbständigkeit. Wie Sie die Sicherheit beim Autofahren im Blick behalten, erfahren Sie hier.
Lenkrad in der Hand, Alltag im Griff: Für viele Betroffene bedeutet Autofahren Selbstständigkeit. Einkäufe, Besorgungen, Begegnungen mit Familie und Freundeskreis – all das ist machbar. Und auch die regelmäßigen Arzt- und Kontrolltermine lassen sich so sicher planen.
Die gute Nachricht: Eine Netzhauterkrankung bedeutet nicht automatisch, dass Sie Ihren Führerschein abgeben müssen. Wie Sie Ihre Sicherheit beim Autofahren im Blick behalten und aktiv mit Ihrer Augengesundheit umgehen können, erfahren Sie hier.
Wichtig zu wissen: Eine kontinuierliche Behandlung, wie die intravitreale operative Medikamentenapplikation (IVOM), kann das Fortschreiten von nAMD, DMÖ und RVV verlangsamen und so Ihre Sehkraft länger erhalten oder sogar verbessern. Ihre konsequente Behandlung ist also der erste Schritt für eine lange Mobilität!1
Erschienen am 12.01.2026
Die folgenden Fragen und Antworten geben Ihnen Orientierung zum Thema „Autofahren mit nAMD, DMÖ und RVV”.
Kurz gesagt: Es kommt auf Ihr aktuelles Sehvermögen an, nicht nur auf die Diagnose.
- Bei vielen Menschen, die mit einer Netzhauterkrankung leben, ist Autofahren weiterhin möglich, wenn die Sehschärfe ausreichend und das Gesichtsfeld nicht wesentlich eingeschränkt ist.
- Ist das Gesichtsfeld eingeschränkt, bemerken Fahrerinnen und Fahrer manchmal erst sehr spät, wenn Menschen oder Autos auftauchen.2
- nAMD, DMÖ und RVV können die zentrale Sehschärfe im Bereich der Makula beeinträchtigen – das ist der Ort des schärfsten Sehens und genau der Bereich, den Sie zum Erkennen von Straßenschildern, Ampeln und Bremslichtern brauchen.
Das sind die gesetzlichen Mindestanforderungen:3
- Sehschärfe: Beim beidäugigen Sehen muss die Sehschärfe (Visus) beider Augen oder des besseren Auges mindestens 0,5 betragen.
- Gesichtsfeld: Ein ausreichend großes Gesichtsfeld ist entscheidend, um Menschen oder Autos rechtzeitig wahrzunehmen, die von der Seite kommen.
Entscheidend ist immer die ärztliche Beurteilung: Ob Sie (noch) sicher fahren dürfen, kann nur Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt nach einer gründlichen Untersuchung nach den geltenden Richtlinien.3

Netzhauterkrankungen betreffen oft genau die Bereiche, die beim Autofahren entscheidend sind:2
- Zentrale Sehschärfe:
Straßenschilder, Nummernschilder, Ampeln und Gesichter können später, unscharf oder verzerrt erkannt werden. - Kontrastsehen:
Fußgängerinnen oder Fußgänger mit dunkler Kleidung, Fahrbahnmarkierungen oder Schlaglöcher sind schwerer zu erkennen – vor allem bei Regen oder diffusem Licht. - Blendempfindlichkeit:
Gegenverkehr in der Nacht, tief stehende Sonne oder nasse Fahrbahnen können Sie stark blenden. - Dämmerungssehen:
Viele Betroffene fühlen sich in der Dämmerung oder bei Dunkelheit unsicher, Entfernungen lassen sich schlechter einschätzen.
Wenn Sie merken, dass Sie Schilder später erkennen und sich im Verkehr sehr gefordert fühlen, ist das ein Anlass, nicht einfach weiterzufahren, sondern Ihre Augen bei Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt prüfen zu lassen. Ein ärztliches Fahrverbot ist rechtlich bindend.4
Die Diagnose nAMD, DMÖ oder RVV führt nicht zum Verlust des Versicherungsschutzes, aber bei deutlich eingeschränkter Sehfähigkeit müssen Sie aus eigener Verantwortung auf das Autofahren verzichten – sonst riskieren Sie nicht nur Ihre Gesundheit und die anderer, sondern auch Schadenersatzforderungen Ihrer Versicherung.4
Es gibt Konstellationen, in denen Sie ganz klar nicht fahren sollten – auch dann nicht, wenn Sie grundsätzlich fahrtauglich sind:
- Direkt nach einer IVOM-Behandlung
Nach der Spritze ins Auge ist das Sehen oft vorübergehend verschwommen oder verzerrt. Daher lassen Sie sich am besten von einer Begleitperson zum Termin bringen und wieder abholen.
Sie sollten aufmerksam werden, wenn2
- Sie Straßenschilder, Ampeln oder Bremslichter später als früher erkennen.
- Sie sich bei Dunkelheit, Regen oder auf der Autobahn deutlich unsicher fühlen.
- Sie verzerrtes Sehen, Schatten oder Flecken im Blickfeld bemerken.
- andere Menschen Ihnen sagen, dass Sie im Straßenverkehr unsicher wirken oder riskant fahren.
Tritt eines dieser Zeichen auf, sollten Sie möglichst bald zu einer augenärztlichen Kontrolle gehen.
Tipp:
Formulieren Sie in der Praxis ruhig klar: „Ich fahre regelmäßig Auto. Können Sie meine Fahrtauglichkeit einschätzen?“ Bitten Sie bei Bedarf um eine schriftliche Einschätzung oder ein Gutachten – das gibt Ihnen zusätzliche Sicherheit.
- Bleiben Sie konsequent in Behandlung: Nehmen Sie alle IVOM- und Kontrolltermine konsequent wahr. Verpasste oder verzögerte Termine können zu einem schnelleren Fortschreiten der Erkrankung und damit zu Sehverlust führen.1 Nutzen Sie Angebote wie die Retinora-App, die Sie an Ihre Termine, aber auch an regelmäßig einzunehmende Medikamente erinnern kann.
- Passen Sie Ihre Fahrweise an: Vermeiden Sie nach Möglichkeit: Nachtfahrten, Fahrten bei starkem Regen oder Nebel sowie komplizierte, ungewohnte Routen.
- Seien Sie ehrlich zu sich selbst: Wenn Sie sich im Verkehr unwohl oder überfordert fühlen, ist das ein wichtiges Signal: Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und lassen Sie sich untersuchen!
Fazit: Ihre Sicherheit steht an erster Stelle
Ihre Sicherheit steht an erster Stelle. Wenn Sie sich am Steuer nicht mehr sicher fühlen, gibt es gute Alternativen:
- Öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV): Bus, Bahn, Taxi- und Fahrdienste können eine einfache und entspannte Alternative sein.
- Spezielle Angebote für Senioren: In vielen Städten und Landkreisen gibt es besondere Rabattaktionen oder Programme für Senioren. Manche Verkehrsverbünde bieten gegen die freiwillige Rückgabe des Führerscheins (Mobilitätspass) kostengünstige oder sogar für bestimmte Zeit kostenfreie Tickets für Bus und Bahn an.
- Tipp: Erkundigen Sie sich direkt bei den Verkehrsbetrieben Ihrer Stadt oder Ihres Landkreises! Alternativ können Sie sich auch bei verschiedenen Selbsthilfegruppen informieren.
- Fahrgemeinschaften: Organisieren Sie sich mit Nachbarn, Freunden oder Bekannten.
Fazit: Eine Netzhauterkrankung bedeutet nicht das Ende der Mobilität, sondern erfordert mehr Aufmerksamkeit, ehrliche Selbstbeobachtung und eine enge Abstimmung mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt.
- Wolfram, C., & Schargus, M. (2022). Das Hamburger Register für intravitreale Injektionstherapien (QIVOM)
https://doi.org/10.1007/s00347-021-01454-w - Schweizer Forschungsgruppe, Manners S. et al. (2023): Gesichtsfeldausfälle und Risiko von Verkehrsunfällen bei älteren Fahrer:innen, https://retina.ch/ratgeber/die-heimliche-gefahr-beim-autofahren-ausfaelle-des-gesichtsfeldes/
- FeV - Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr, zuletzt abgerufen am 02.12.2025.
- https://www.adac.de/gesundheit/gesund-unterwegs/strasse/darf-ich-mit-diabetes-auto-fahren/, zuletzt abgerufen am 02.12.2025.
Inhaltlich geprüft: M-DE-00029052
