„Ich schaffe das“ – Wie Sie Ihre Sehkraft und Lebensqualität aktiv stärken können

Wer nach der Diagnose einer chronischen Netzhauterkrankung nicht den Kopf in den Sand steckt, sondern aktiv mitarbeitet, hat deutlich bessere Chancen, seine Sehkraft zu erhalten. Die medizinische Behandlung wirkt – aber ebenso wichtig ist, wie Betroffene ihre Erkrankung wahrnehmen, welche Einstellung sie dazu haben und wie engagiert sie in ihrer Behandlung mitwirken.¹
Erschienen am 04.02.2026
IVOM-Therapie als Basis, Fragen als Schlüssel
Die regelmäßigen Injektionen ins Auge, auch intravitreale operative Medikamentenapplikation (IVOM-Therapie) genannt, helfen dabei, Ihr Sehvermögen zu stabilisieren oder zu verbessern.2 Trotzdem können die IVOM-Termine eine Belastung sein – manchmal rauben sie sogar den Schlaf. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, was Sie dagegen tun können, denn: Je besser Sie über Ihre Erkrankung Bescheid wissen, desto kleiner werden häufig Ihre Ängste.¹
Wichtig ist: Wenn Sie Termine konsequent wahrnehmen und sich informieren, erhöht sich nachweislich die Chance auf eine stabile Sehfunktion und höhere Lebensqualität.²
Diese Erfahrung schildern auch Marianne, die mit neovaskulärer, altersabhängiger Makuladegeneration (nAMD) lebt, sowie Renate, die mit diabetischem Makulaödem (DMÖ) lebt, in ihren Erfahrungsberichten.
Zuversicht statt Sorgen
Natürlich ist es nicht immer leicht, die Spritzentermine wahrzunehmen. Doch wenn Sie verstehen, was in Ihrem Auge passiert, und sich Unterstützung holen, können Ängste nachlassen und neue Zuversicht entstehen. So ist es leichter, motiviert zu bleiben und mit jeder wahrgenommenen Injektion steigt die Chance, Ihr Sehen – und damit ein gutes Stück Lebensqualität – möglichst lange zu erhalten.
Studie zeigt: Informierte Patienten sind zufriedener
In der Albatros-Studie wurden über 1.000 Menschen mit nAMD, DMÖ und RVV über ein Jahr begleitet und regelmäßig zu ihrer IVOM-Therapie befragt. Die Ergebnisse machen Mut: 83 % fühlten sich gut über ihre Erkrankung und Behandlung aufgeklärt.
Mehr als 70 %, die regelmäßig Injektionen erhalten haben, waren mit der Therapie zufrieden.¹ Das Fazit der Forschenden: Patientinnen und Patienten, die sich informieren und mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt gemeinsam eine Therapieentscheidung treffen, erleben weniger psychische Belastung und mehr Lebensqualität.¹ Das zeigt: Aufklärung, Vertrauen und ein gutes Gefühl für die eigene Situation tragen entscheidend dazu bei, den Alltag besser zu bewältigen.
Was Sie selbst für Ihre Therapie tun können
Sie haben mehr Einfluss, als Sie vielleicht denken. Schon kleine Schritte können Ihre Therapie unterstützen. Im Interview mit Dr. Berenike Kunzmann erfahren Sie, was Sie selbst zu Ihrer Behandlung beitragen können – von regelmäßiger Bewegung bis zur gesunden Ernährung. Sie macht Mut, Verantwortung zu übernehmen und aktiv zu bleiben.
Was bedeutet Therapietreue?
Eine Patientin oder ein Patient gilt als vollständig therapietreu zur IVOM-Behandlung, wenn alle vereinbarten Termine wahrgenommen werden – sowohl die Injektionen als auch die Kontrolluntersuchungen – und die empfohlenen Schritte der Ärztin oder des Arztes befolgt werden. Als therapietreu gilt eine Patientin oder ein Patient auch dann, wenn höchstens einer der empfohlenen Behandlungs- oder Kontrolltermine innerhalb eines Jahres versäumt wird.3
Regelmäßige Spritzen ins Auge: So bleiben Sie dran
Behandlungstermine einhalten
Regelmäßige Injektionen sind entscheidend, um den Verlauf Ihrer Erkrankung zu verlangsamen und so die Sehschärfe länger zu erhalten oder sogar zu verbessern.4
Organisation mit digitaler Unterstützung
Erinnerungsfunktionen und Apps wie die Retinora-App helfen, den Überblick zu behalten – über Termine, Sehbeobachtungen und Fragen.
Fragen stellen – gut informiert sein
Wissen stärkt. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über alles, was Sie bewegt.
Behandlungsziele mitgestalten
Was ist Ihnen im Alltag besonders wichtig – Lesen, Gesichter erkennen, Autofahren? Treffen Sie Ihre Therapieentscheidung gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. So bereiten Sie sich auf das ärztliche Gespräch vor.
Mental stabil bleiben
Kleine Routinen, Gespräche mit dem Team des Patientenunterstützungsprogramms augenblicke – das Telefon mit Herz oder das Aufschreiben von Fortschritten helfen, den Blick nach vorn zu richten.
Aktiv bleiben für Ihre Sehkraft
Fragen stellen, Termine wahrnehmen oder sich Unterstützung holen – jeder einzelne Schritt macht Ihren Weg leichter. Und egal, ob Sie Ruhe durch verständliche Informationen finden, Sicherheit aus klaren Abläufen schöpfen oder Kraft durch Menschen an Ihrer Seite gewinnen: Bei nAMD, DMÖ und RVV können Sie selbst viel dazu beitragen, wie gut Sie mit Ihrer Erkrankung leben.
Inhaltlich geprüft: M-DE-000xxxx
- Wolfram C et al., The Psychological, Social and Behavioral Impact of Intravitreal Anti-VEGF Therapy: An Analysis from the ALBATROS Data, J Clin Med. 2023 Nov 30;12(23):7435: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38068487/
- Wolfram C, Schargus M. Das Hamburger Register für intravitreale Injektionstherapien (QIVOM) [The Hamburg register for intravitreal injection therapies (QIVOM)]. Ophthalmologe. 2022 Mar;119(3):280-287: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8904345/
- Lommatzsch, A., et al (2021). Adhärenz bei der Anti-VEGF-Therapie– Überlegungen und praktische Empfehlungen
https://doi.org/10.1007/s00347-020-01273-5 - Chalasani, M et al., (2024). Predictors of Vision Loss After Lapse in Antivascular Endothelial Growth Factor Treatment in Patients with Diabetic Macular Edema. Journal of vitreoretinal diseases, https://doi.org/10.1177/24741264241305123
- Stellungnahme von DOG, Retinologische Gesellschaft und BVA Anti-VEGF-Therapie bei der neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration, Februar 2020, zuletzt abgerufen am 25.11.2025