Welche Therapie passt zu mir – und wann kann ein Wechsel sinnvoll sein?
Die Behandlung einer Netzhauterkrankung begleitet viele Menschen über Jahre. Regelmäßige Arzttermine und Behandlungen gehören oft dazu. Doch Lebenssituationen verändern sich: Vielleicht fällt die Anreise schwerer als früher, vielleicht wünschen Sie sich mehr Planbarkeit oder haben zusätzliche gesundheitliche Herausforderungen. Dann ist es ganz normal, sich zu fragen:
„Passt meine aktuelle Therapie eigentlich noch zu mir?“ Die gute Nachricht: Über solche Fragen dürfen und sollten Sie mit Ihrem Behandlungsteam sprechen. Gemeinsam können Sie prüfen, welche Möglichkeiten zu Ihrer persönlichen Situation passen.

Inhaltsverzeichnis
- Warum Therapiewechsel im Laufe einer Behandlung?
- Was bedeutet ein Therapiewechsel bei einer Netzhauterkrankung?
- Welche Gründe können für einen Therapiewechsel sprechen?
- Behandlungsmöglichkeiten bei Netzhauterkrankungen: Therapieoptionen im Überblick
- Die richtige Therapie finden – die 10 wichtigsten Fragen stellen
- Therapiewechsel: Arztgespräch vorbereiten und gemeinsam entscheiden
- FAQs
Warum kann ein Therapiewechsel im Laufe einer Behandlung sinnvoll sein?
Ein Therapiewechsel bedeutet vor allem eines: Die Behandlung wird an neue Bedürfnisse oder medizinische Entwicklungen angepasst. Medizinisch relevant können unter anderem sein:
- Veränderungen im Krankheitsverlauf
- Unverträglichkeiten, Nebenwirkungen
- Die Zulassung neuer Therapieformen
Auch die persönliche Lebenssituation kann eine Rolle spielen: Veränderungen im Alltag, berufliche oder private Belastungen oder weitere Erkrankungen, die zusätzlich ärztliche Termine erfordern, können dazu führen, dass die bisherige Therapie schwerer durchzuführen ist – mit möglichen Auswirkungen auf den Behandlungserfolg. Ein Therapiewechsel ist deshalb kein Rückschritt – sondern manchmal ein sinnvoller nächster Schritt.
Deshalb empfiehlt es sich, die Therapieplanung regelmäßig gemeinsam mit dem Behandlungsteam zu überprüfen und bei Bedarf über Anpassungsmöglichkeiten nachzudenken.
„Falls Sie das Gefühl haben, dass die Therapie nicht den gewünschten Erfolg bringt, ist es wichtig, dies offen beim Augenarzt anzusprechen. Gemeinsam kann dann geprüft werden, ob es sinnvoll sein könnte, die Behandlungsstrategie oder das Medikament anzupassen.“
- Univ.-Prof. Dr.med. Friederike Schaub
Was bedeutet ein Therapiewechsel bei einer Netzhauterkrankung
Zunächst ist es wichtig sich bewusst zu machen, was ein Therapiewechsel bedeutet und was nicht: Es geht ja einfach darum die Behandlung anzupassen, weil es gute Gründe dafür gibt. Das kann die persönliche Situation und veränderte Bedürfnisse betreffen oder auch den Krankheitsverlauf selbst. Keinesfalls ist ein Therapiewechsel in irgend einem Sinn eine „Niederlage“. Es ist eben nur ein notwendig gewordener Schritt während einer langfristigen Behandlung.
Diese drei Punkte sind zentral bei einem Therapiewechsel:
Warum findet ein Therapiewechsel statt?
Wirkt die Behandlung medizinisch nicht so wie erhofft oder treten Unverträglichkeiten auf? Wird der Alltag rund um die Therapie als zunehmend belastend empfunden, z.B. aus organisatorischen Gründen?
Was kann sich durch einen Therapiewechsel ändern?
Neben möglicherweise besseren Behandlungsergebnissen durch eine andere Therapie betrifft dieser Punkt meist die Form der Behandlung: Welcher Wirkstoff wird eingesetzt und wie wird er verabreicht? Daneben stehen organisatorische Fragen, etwa, welche Behandlungsintervalle und Kontrolltermine notwendig sind, um die Therapie dauerhaft fortzuführen.
Wer entscheidet über einen Therapiewechsel?
Sie und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bzw. das Behandlungsteam sollten über die Möglichkeit eines Therapiewechsels auf Augenhöhe kommunizieren – und dann gemeinsam entscheiden, ob das infrage kommt. Diese gemeinsame Entscheidungsfindung wird auch „Shared Decision Making“ – kurz SDM – genannt.
Welche Gründe können für einen Therapiewechsel sprechen?
Gute Gründe über Therapiewechsel nachzudenken gibt es viele: Medizinische oder psychologische Aspekte, Veränderungen im Berufsleben oder allgemein der persönlichen Lebenssituation – und all das kann auch ineinander spielen. Diese Punkte fassen die häufigsten Anlässe zusammen:
Gerade bei dauerhaft angelegten Behandlungen mit zahlreichen regelmäßigen Terminen gilt: Der organisatorische Aufwand kann sehr belastend sein und sowohl Berufs- als auch das Privatleben beeinträchtigen. Für Menschen, die wegen anderer Erkrankungen weitere Arzttermine und auch stationäre Behandlungen benötigen, kann es auch zu Behandlungsunterbrechungen von mehreren Monaten kommen. Der Erfolg der Therapie einer Netzhauterkrankung kann davon negativ beeinflusst werden.
Starke Stressbelastung rund um Termine selbst kann sich negativ auf den Behandlungserfolg auswirken. Neben organisatorischen Belastungen kann das auch eine generelle Angst vor den Umständen der Behandlung sein – zum Beispiel vor Injektionen.
Bei Netzhauterkrankungen gilt es, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und so Ihre Sehschärfe möglichst lange zu erhalten. Die Ursache der Erkrankung kann leider nicht behoben werden. Ziel ist es, die Therapie möglichst wirksam und gleichzeitig möglichst schonend durchzuführen. Die Planbarkeit der Behandlung oder, falls medizinisch vertretbar, weniger Behandlungstermine, können hier eine große Rolle spielen. Besprechen Sie am besten mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt, welche Behandlung Ihren Zielen und Ihrer Lebenssituation am besten entspricht.
Ein positiver oder negativer Verlauf der Erkrankung kann einen Therapiewechsel begründen. Bei anderen Gründen sollte durch Befunde sichergestellt sein, dass eine Therapieanpassung sinnvoll und möglich ist.
Unverträglichkeiten oder Nebenwirkungen können die Therapielast erhöhen und Gründe für eine mögliche Änderung der Behandlungsform sein.
Der organisatorische Aufwand für Menschen, die auf Grund ihres Alters oder wegen Vorerkrankungen auf Unterstützung angewiesen sind, kann sehr belastend sein und auch Angehörige in ihrem Berufs- oder Privatleben überfordern.
Behandlungsmöglichkeiten bei Netzhauterkrankungen
Therapieoptionen im Überblick
Bei Netzhauterkrankungen stehen unterschiedliche Behandlungswege zur Verfügung, um den Wirkstoff gezielt direkt im Auge anzuwenden. Meist geschieht das mittels IVOM-Therapie (intravitreale operative Medikamentenapplikation), das heißt über eine kleine Injektion ins Auge.
In Zukunft werden für die Behandlung von Netzhauterkrankungen Therapieformen möglich, die auf Implantate setzen. Diese geben den Wirkstoff über einen längeren Zeitraum kontinuierlich im Auge ab.
Hier erfahren Sie mehr zu den Therapiemöglichkeiten bei Netzhauterkrankungen
Die richtige Therapie finden – die 10 wichtigsten Fragen stellen
Manchmal fallen Entscheidungen leichter, wenn man die Dinge einfach mal aufschreibt: Herausforderungen, Chancen, Möglichkeiten … Eine Pro- und Contra-Liste kann auch dabei unterstützen, alle Aspekte eines möglichen Therapiewechsels abzuwägen. Diese Fragen können Ihnen helfen, Positives und Negatives zu Therapiemöglichkeiten und aktueller Therapie bei Netzhauterkrankung festzuhalten und so zu einer besseren Entscheidungsgrundlage zu kommen:
- Wie geht es mir insgesamt mit meiner aktuellen Behandlung?
- Was fällt mir leicht – und was empfinde ich als belastend?
- Fühle ich mich mit meiner Therapie sicher und gut begleitet?
- Wie gut lässt sich die Behandlung in meinen Alltag integrieren?
- Gibt es Dinge, auf die ich wegen der Therapie häufiger verzichten muss?
- Welche Sorgen oder Ängste beschäftigen mich rund um die Behandlung?
- Was wünsche ich mir für die kommenden Monate oder Jahre?
- Wie wichtig sind mir Planbarkeit, Flexibilität oder Unabhängigkeit im Alltag?
- Welche Unterstützung habe ich durch Familie, Freunde oder andere Menschen?
- Welche Fragen möchte ich bei meinem nächsten Arzttermin unbedingt ansprechen?
Eine gemeinsame Entscheidung treffen
Ob Therapiewechsel oder Beibehalten der bisherigen Behandlung: Eine Therapieentscheidung ist das Ergebnis eines echten Gesprächs und einer gemeinsamen Entscheidungsfindung. Ein Gespräch unter echten Experten:
- Ihre Ärztin oder Ihr Arzt ist Spezialist und qualifiziert wie sonst niemand, um Ihnen wie einen Überblick über die die Vor- und Nachteile verschiedener Therapieoptionen zu geben. Denn neben medizinischem Wissen und Erfahrungen kennt er idealerweise Sie Ihre Bedarfe als Patient:in und selbstverständlich Ihre Befunde wie kein zweiter.
- Sie und gegebenenfalls Ihr Partner und Ihre Angehörige bringen das ein, was Ihnen wichtig ist und Ihre Situation ausmacht: Persönlichen Ziele, Ihr Alltag und Ihre eigene Bewertung, wie belastend oder gut durchführbar Ihre Behandlung ist – für Sie und Ihr privates Umfeld, das Sie vielleicht unterstützt.
Selbstverständlich braucht es Zeit, um Optionen zu verstehen, Vor- und Nachteile in Ruhe abzuwägen und weitere Fragen zu stellen. Dabei gibt es keine allgemeingültige Lösung: Was für eine andere Person gut funktioniert, muss nicht automatisch das Beste für Sie sein. Entscheidend ist, dass die Therapie zu Ihnen passt – zu Ihrer Lebenssituation, Ihren Bedürfnissen und dem, was für Sie im Alltag tatsächlich umsetzbar ist.
Häufig gestellte Fragen
Es kann viele Gründe geben, einen Therapiewechsel abzuwägen. Unverträglichkeit und/oder Nebenwirkungen sind z.B. ein häufiger Anlass bei vielen Erkrankungen. Auch, wenn sich der Krankheitsverlauf trotz oder während einer Therapie ändert, kann es sich lohnen, über einen Therapiewechsel nachzudenken. Dasselbe gilt, wenn es als zunehmend belastend empfunden wird, die Behandlung in den Alltag einzubinden – zum Beispiel aus organisatorischen Gründen bzw. es Änderungen im Berufs- oder Privatleben gibt. Das können zusätzliche Erkrankungen, eingeschränkte Mobilität oder die Belastung der Familie sein. Aber auch der Wunsch nach mehr Freiheit und Unabhängigkeit, Raum für Beruf, Reisen oder Hobbys. Psychologische Aspekte, wie Ängste, kann ein Argument sein.
Ändern kann sich neben dem Wirkstoff selbst bzw. der Dosierung, vor allem, wie der Wirkstoff verabreicht wird. Für die Alltagsbewältigung stellen sich bei einer Umstellung einer Therapie die Fragen, wie häufig nun Arzt-Termine notwendig sind und ob sich das auf Dauer gut in den Alltag integrieren lässt.
Ob ein Therapiewechsel infrage kommt, entscheiden im Idealfall Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder dem Behandlungsteam – auf Augenhöhe und im offenen Austausch. Dieses Prinzip der gemeinsamen Entscheidungsfindung wird auch als „Shared Decision Making" bezeichnet.
Bei Netzhauterkrankungen stehen unterschiedliche Behandlungswege zur Verfügung, um den Wirkstoff gezielt direkt im Auge anzuwenden. In den meisten Fällen geschieht das über die sogenannte IVOM-Therapie – eine kleine Injektion ins Auge. Eine alternative Option sind Implantate, die den Wirkstoff über einen längeren Zeitraum kontinuierlich im Auge freisetzen
Die meisten Menschen kommen mit der IVOM-Therapie gut zurecht. Für diejenigen, die sich von dieser Therapieform zu stark belastet fühlen, kann aber ein Wechsel der Behandlung sinnvoll erscheinen. Ein Wechsel von einer IVOM-Therapie auf ein Implantat kann prinzipiell für alle Patienten eine Alternative Behandlungsmethode darstellen. Ob ein Implantat infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihren behandelnden Augenärzt:innen.
Welche Therapie am besten passt, hängt vom Krankheitsverlauf, den persönlichen Bedürfnissen und der ärztlichen Einschätzung ab. Hier finden Sie einen Überblick über Therapiemöglichkeiten. Am besten besprechen Sie mögliche Therapieoptionen mit ihrem Behandlungsteam.
Sprechen Sie mit Ihren behandelnden Ärzt:innen über Ihre Fragen und Wünsche. Zusätzliche Informationen und unterstützende Materialien, z. B. zur Vorbereitung auf das Arztgespräch, Motivationshilfen, und umfangreiche Informationen, warum Therapietreue für den Erfolg der Behandlung wichtig ist, finden Sie bei unseren Unterstützungsangeboten – wie zum Beispiel „augenblicke – Das Telefon mit Herz“.
Patienten-Info-Service
📞 07624 – 14 2015
Wir beantworten Ihnen Werktags in der Zeit von 9-18 Uhr Ihre Fragen rund um Ihre Erkrankung im Zusammenhang mit Roche Medikamenten.
- Stellungnahme von DOG, Retinologische Gesellschaft und BVA Anti-VEGF-Therapie bei der neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration, Februar 2020, zuletzt abgerufen am 08.07.2025
www.augeninfo.de/stellungnahmen/Anti-VEGF-Therapie_neovask_AMD.pdf
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Inhaltlich geprüft: M-DE-00031559

