Behandlung von Netzhauterkrankungen: Therapieoptionen im Überblick
Netzhauterkrankungen bedeuten eine große Belastung und verändern den Alltag oft dauerhaft. Auch die regelmäßig notwendigen Behandlungen und Kontrolltermine kosten viel Kraft, Zeit und Geduld. Dabei ist es in erster Linie wichtig, dass die Therapie medizinisch gut wirkt. Moderne Therapien bieten vielen Patientinnen und Patienten mit langen Intervallen bereits eine große Erleichterung. Jedoch sollte sich die Behandlung für jeden möglichst gut in das eigene Leben einfügen. Neue Behandlungsmöglichkeiten verfolgen genau dieses Ziel: Patientinnen und Patienten, die sich unter ihrer aktuellen Behandlung belastet fühlen, neue Möglichkeiten aufzuzeigen – und dabei zu unterstützen, die Erkrankung besser zu bewältigen sowie den Alltag spürbar zu erleichtern.

Inhaltsverzeichnis
- Warum die Wahl der passenden Therapie wichtig ist
- Wie wirkt die Behandlung bei Netzhauterkrankungen?
- Welche Therapieformen gibt es?
- Behandlung mit einem Implantat im Auge
- Monitoring & Behandlungsverlauf
- Behandlung mit regelmäßigen Injektionen (IVOM)
- Implantat oder Injektion – die wichtigsten Unterschiede
- Welche Therapie passt zu mir?
- FAQs
Warum die Wahl der passenden Therapie wichtig ist
Die Wahl der passenden Therapie ist ein wichtiger Schritt, der oft an einen langen und sorgfältigen Entscheidungsprozess gebunden ist. Manchmal kann in diesem Zuge auch ein Therapiewechsel sinnvoll sein. Eine Netzhauterkrankung ist eine chronische Erkrankung, dementsprechend begleitet eine Therapie den Alltag über viele Jahre hinweg – mit regelmäßigen Terminen, Behandlungen und viel organisatorischem Aufwand. Das kann belastend sein und viel Energie und wertvolle Zeit kosten, besonders wenn noch Beruf, Familie oder andere Verpflichtungen dazukommen. Ganz besonders kann das bei Menschen der Fall sein, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder auf die Unterstützung z.B. durch Angehörige angewiesen sind. Eine langfristige Therapie erlebt jeder anders: Für manche ist die aktuelle Behandlung gut machbar, andere fühlen sich mit der Zeit überfordert.
Dabei spielt auch die Form der Therapie eine entscheidende Rolle, denn nicht alle Therapien kommen für jede Situation in Frage. Deshalb ist es wichtig, gemeinsam mit dem Arzt oder der Ärztin zu schauen, welche Behandlungsform am besten zur individuellen Situation passt – und gemeinsam mit dem Behandlungsteam eine Entscheidung über die künftige Behandlung zu treffen.
Eine Therapie ist im besten Fall nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern erleichtert das Leben mit der Erkrankung insgesamt. Wenn eine Therapie gut in den Alltag integrierbar ist und sich stimmig anfühlt, gelingt es auch besser, dranzubleiben und ärztliche Empfehlungen konsequent umzusetzen – also die sogenannte Therapietreue zu stärken. So steigt die Chance, die Behandlung langfristig zuverlässig und medizinisch erfolgreich fortzuführen.
Wie werden Netzhauterkrankungen behandelt?
Bei Netzhauterkrankungen gehört die sogenannte Anti-VEGF-Therapie heute zu den wichtigsten Behandlungsansätzen. Dabei kommt ein Wirkstoff zum Einsatz, der die Entstehung körpereigener Botenstoffe hemmt. Durch die Hemmung dieser Botenstoffe wird die Bildung von fehlerhaften, undichten Blutgefäßen vermindert und so überschüssige Flüssigkeit in der Netzhaut reduziert. Wichtig ist ein möglichst früher Therapiestart, damit die Flüssigkeit möglichst schnell und langanhaltend trocknen kann.1
Ziel der Behandlung ist es, die Netzhaut zu trocknen und die vorhandene Sehkraft zu erhalten. So soll verhindert werden, dass sich die Erkrankung weiter verschlechtert – damit so viel Sehfähigkeit wie möglich erhalten bleibt. Der Wirkstoff wird bei der Anti-VEGF-Therapie direkt ins Auge gegeben, um gezielt dort zu wirken, wo die Erkrankung entsteht.
Welche Therapieformen gibt es?
Bei der Behandlung von Netzhauterkrankungen gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Medikament direkt dort einzusetzen, wo es gebraucht wird – nämlich im Auge selbst. Aktuell geschieht das meist über eine kleine Injektion, die sogenannte IVOM-Therapie. Für viele ist eine Spritze direkt ins Auge anfangs eine ungewohnte Vorstellung. Auch, wenn das erstmal kein Grund zur Sorge ist, da sich diese Therapieform in der Praxis gut bewährt hat und von Spezialisten routiniert durchgeführt wird, kann es Situationen geben, in denen diese Art der Therapie nicht für jeden in Frage kommt.
In Zukunft werden für die Behandlung von Netzhauterkrankungen außerdem neue Therapieformen möglich, wie zum Beispiel der Einsatz von Implantaten, die den Wirkstoff über längere Zeit kontinuierlich ins Auge abgeben können. Das kann für manche Menschen, die z.B. Schwierigkeiten mit Spritzen haben, eine echte Erleichterung sein. Welche Form der Therapie am besten passt, wird immer zusammen mit dem Arzt oder der ärztin, individuell mit Blick auf die persönliche Situation und die eigenen Bedürfnisse, entschieden.

Wie funktioniert die Therapie mit einem Implantat im Auge?
Bei dieser Therapieform wird im Rahmen eines kurzen Eingriffs einmalig ein Implantat in das Auge eingesetzt – im Prinzip ein kleiner, wiederbefüllbarer Medikamentenspeicher. Durch dieses System wird der Wirkstoff gleichmäßig und über längere Zeit hinweg direkt ins Auge abgegeben. So kommt der Wirkstoff, wie auch bei der IVOM da an, wo er wirken soll. Nach der Implantation ist das Implantat in der Regel weder sichtbar noch spürbar. Es ist so konzipiert, dass es dauerhaft im Auge bleiben kann.
In der weiteren Behandlung wird das Implantat in regelmäßigen Abständen durch einen Augenarzt nachgefüllt, so dass eine kontinuierliche Medikamentengabe gewährleistet ist. Das Nachfüllen nimmt nur wenig Zeit in Anspruch, in der Regel nicht mehr als 5 bis 15 Minuten. Um den Erfolg der Behandlung sicherzustellen, wird die Therapie von regelmäßigen Kontrollen begleitet, die entweder in einem spezialisierten Zentrum oder beim behandelnden Augenarzt erfolgen können.

„Das Ziel von neuen Medikamenten und wirkstoffabgebenden Implantaten ist es, die Behandlungsintervalle zu verlängern.“
- Prof. Dr. med. Armin Wolf, Ärztlicher Direktor der Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Ulm
Wie läuft die Behandlung mit regelmäßigen Injektionen ab?
Bei der Behandlung mit regelmäßigen Injektionen (IVOM) wird das Medikament direkt in das Auge gespritzt. Das Auge wird vorher desinfiziert und örtlich betäubt, so dass die Injektion in der Regel kaum spürbar ist. Die Behandlung findet ambulant statt, ein längerer Aufenthalt ist nicht nötig.
Da die Wirkung nicht dauerhaft anhält, sind im Behandlungs-Verlauf immer wieder Injektionen notwendig, um die Sehkraft so lange wie möglich zu erhalten. Begleitend dazu werden regelmäßige Kontrollen durchgeführt, um die Reaktion der Netzhaut auf die Therapie zu überwachen und gegebenenfalls anzupassen. Die Abstände zwischen den Terminen werden dabei individuell festgelegt – je nachdem, wie die Erkrankung sich entwickelt und was im Alltag gut machbar ist. Mehr zur IVOM Therapie erfahren Sie hier.
Therapie mit Implantat oder Injektion? Die wichtigsten Unterschiede
Bei der Behandlung von Netzhauterkrankungen sind zwei unterschiedliche Wege möglich, das Medikament direkt im Auge wirken zu lassen. Welche Therapieform am besten passt, hängt nicht nur von der Erkrankung selbst ab, sondern auch davon, was sich für die persönliche Lebenssituation am besten eignet. Während manche mit regelmäßigen Injektionen gut zurechtkommen, wünschen sich andere möglichst wenig Behandlungstermine. Die wichtigsten Unterschiede sind:
- IVOM-Therapie: Das Medikament wird in bestimmten Abständen direkt ins Auge injiziert. Dafür sind wiederholte Behandlungen und fortlaufende Kontrolltermine notwendig.
- Implantat: Ein einmalig eingesetzter Medikamentenspeicher gibt den Wirkstoff kontinuierlich über längere Zeit ab. Statt durch häufige Injektionen erfolgt die Behandlung über regelmäßige Nachfüllungen.

Welche Therapie passt zu mir – und wann kann ein Wechsel sinnvoll sein?
Welche Behandlung bei einer Netzhauterkrankung am besten passt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Jeder Mensch und jede Situation ist anders – und genau deshalb spielen neben den medizinischen Befunden auch persönliche Bedürfnisse und der eigene Alltag eine wichtige Rolle. So kann eine IVOM-Therapie für viele Menschen hervorragend funktionieren, für andere können die häufigen Nachfülltermine zu einer echten Belastung werden, vor allem wenn andere Erkrankungen und eine eingeschränkte Mobilität zu der Netzhauterkrankung hinzukommen.
Auch wenn die Familie durch die häufigen Arztbesuche stark belastet wird oder leider wenig Unterstützung durch Familie oder Angehörige geleistet werden kann, kann ein Wechsel in Betracht gezogen werden. Manchmal entsteht im Verlauf der Therapie auch der Wunsch nach mehr Freiheit und Unabhängigkeit, so dass z. B. die eigene Karriere wieder stärker in den Fokus rückt, längere Reisen möglich werden oder die eigenen Hobbies intensiver ausgelebt werden können.
Manchmal kann es daher sinnvoll sein, die Behandlung im Verlauf anzupassen oder zu wechseln. Wichtig ist dabei, seine Bedürfnisse oder auch Sorgen offen anzusprechen und gemeinsam mit den Ärzt:innen die medizinische Lösung zu finden, die langfristig am besten zum eigenen Leben passt.
Mehr zum Thema Therapiewechsel erfahren.
Häufig gestellte Fragen
In bestimmten Situationen kann ein Wechsel der Behandlung sinnvoll erscheinen. Ob ein Implantat infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihren behandelnden Augenärzt:innen. Bitte beachten Sie, dass die Therapie mit Implantat aktuell noch nicht verfügbar ist.
Ein Wechsel ist sinnvoll, wenn die aktuelle Behandlung für Sie belastend ist oder der Krankheitsverlauf eine Anpassung der Therapie notwendig macht. Werden die häufigen Nachfülltermine durch zusätzliche Erkrankungen, eingeschränkte Mobilität oder die Belastung der Familie zunehmend schwierig für Sie, kann ein Wechsel der Therapie sinnvoll sein – insbesondere auch, wenn mehr Freiheit, Unabhängigkeit und Raum für Beruf, Reisen oder Hobbys gewünscht werden. Mehr Informationen zu einem möglichen Therapiewechsel finden Sie hier.
Welche Therapie am besten passt, hängt vom Krankheitsverlauf, den persönlichen Bedürfnissen und der ärztlichen Einschätzung ab. Besprechen Sie mögliche Therapieoptionen mit ihrem Behandlungsteam.
Ja, neben dem regelmäßigen Wiederauffüllen des Implantats (dauert in der Regel nur 5-15 Minuten), sind auch regelmäßige Kontrollen wichtig, damit der Behandlungserfolg überwacht und die Therapie bei Bedarf angepasst werden kann.
Das in Zukunft verfügbare Implantat wird unter örtlicher Betäubung in einem operativen Eingriff eingesetzt werden. Der Eingriff wird durch einen spezialisierten Augenchirurgen2 in einem spezialisierten Zentrum erfolgen.
Der operative Eingriff zum Einsetzens des Implantats dauert in der Regel etwa 30–45 Minuten. Die Behandlung generell ist fortlaufend und dauerhaft angelegt, um die Sehkraft möglichst lange zu erhalten.
Sprechen Sie mit Ihren behandelnden Ärzt:innen über Ihre Fragen und Wünsche. Zusätzliche Informationen und unterstützende Materialien, z. B. zur Vorbereitung auf das Arztgespräch, Motivationshilfen, um dran zu bleiben und umfangreiche Informationen, warum Therapietreue für den Erfolg der Behandlung wichtig ist, finden Sie bei unseren Unterstützungsangeboten – wie zum Beispiel „augenblicke – Das Telefon mit Herz“.
Patienten-Info-Service
📞 07624 – 14 2015
Wir beantworten Ihnen Werktags in der Zeit von 9-18 Uhr Ihre Fragen rund um Ihre Erkrankung im Zusammenhang mit Roche Medikamenten.
- https://www.sehen.de/sehen/sehschwaeche/makuladegeneration/ abgerufen am 07.07.2025.
- Pieramici et al.: Implant Insertion Procedure of the PDS. Ophthalmic Surg Lasers Imaging Retina (2022).
www.augeninfo.de/stellungnahmen/Anti-VEGF-Therapie_neovask_AMD.pdf
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Inhaltlich geprüft: M-DE-00031561